In der nächsten Woche erscheint unsere erste Ausgabe von «ethik22 - das Magazin» zum Thema Demokratie.  Wir freuen uns sehr!  Hier weitere Gedanken und Anregungen ...

 

Populismus und Pluralismus zwei Schlagworte, die in unserer politischen Diskussion über Demokratie immer wieder auftauchen. Beide Begriffe sind mit konkreten Erfahrungen aber auch mit Wertvorstellungen verbunden. Ein sozialethischer Zugang stellt nicht nur Fragen zur Gerechtigkeit, sondern muss auch klären, was Begriffe meinen, und welche Rolle wir der Ethik geben wollen. Dazu finden Sie hier zwei interessante Artikel.

Was ist Pluralismus?

 

Gilt es unsere Zeit zu charakterisieren, dann gehört „Pluralismus“ mit Sicherheit zu den meistgenannten Begriffen. Es kann sich lohnen, einen Blick auf diesen Begriffs zu werfen.

 

Was ist Pluralismus?

Das Pluralismus Projekt an der Harvard Universität nennt vier Dimensionen von Pluralismus:

  1. Pluralismus beschreibt nicht nur die Tatsache von Verschiedenheit, sondern meint der Austausch mit Verschiedenheit und Vielfalt.

  2. Pluralismus ist nicht einfach eine tolerante Begegnung mit der Vielfalt, sondern verlangt aktives Engagement, das über die Unterschiede hinweg Verständnis für einander sucht.

  3. Pluralismus hat nichts mit einem Relativismus zu tun, der eine einfache und homogene Welt schaffen möchte, sondern Pluralismus schafft Begegnungen, in denen Menschen und Gemeinschaften ihre Überzeugungen und Identitäten bewahren müssen.

  4. Pluralismus baut auf Dialog, der gemeinsame Verständnisse wie auch wirkliche Unterschiede sichtbar macht. Dieser Dialog ist gekennzeichnet durch das Geben und Empfangen von Kritik, Selbstkritik, Reden und Hinhören.

 

Ganz konkret wurde dieser gelebte Pluralismus für mich Anfang Dezember. Als wir aus dem Auto stiegen, hörte ich die Kirchenglocken. Sie luden zum Gottesdienst am ersten Adventssonntag. Gewohnheitsmässig hätten mich meine Beine ganz automatisch zur Kirche geführt, doch ich folgte nicht diesem heimatlichen Ruf, sondern ging hier in Lenzburg ins Stapferhaus.

 

Im Rahmen der Ausstellung „Heimat“ war ich im Stapferhaus in Lenzburg eingeladen zu einem Gespräch mit Imam Sakib Halilovic zum Thema «Glaube als Heimat: Zwischen Bedürfnis und Bedrohung». Schon bei der Anfrage zum Gespräch stellte ich mir die Frage: "Soll ich in den Gottesdienst oder nach Lenzburg zum Gespräch gehen?" Ich wählte das Gespräch, weil ich überzeugt bin, dass angesichts der Vielfalt der Religionen in unserem Land und der damit verbundenen Herausforderungen der persönliche Dialog von unschätzbarer Bedeutung ist.  Im Gespräch mit Sakib Halilovic habe ich gemerkt, das es gar nicht so einfach ist, gut in Worte zu fassen, was mir am Herzen liegt oder was mein Glaube bedeutet, ohne zu be- oder verurteilen, was dem andern wichtig ist. 

 

Genau dazu lädt der Advent ein: Advent ist ja nicht nur Vorbereitung auf Weihnachten, sondern auch eine Zeit, mich auf das zu besinnen, was mir im Kern wichtig ist. Advent lädt aber auch dazu ein, mich zu fragen, in welcher Beziehung ich zum andern und zur Welt stehe. Will ich mich trenne von Andern, will ich die Andern regieren oder will ich im Dialog mit die Andern sein.

 

So kann ich mich mit dem britischen Rabbiner Jonathan Sachs fragen, wie sorge ich dafür, dass mein Glaube, meine Religion, die Welt wärmt anstatt verbrennt.

 

 

Vom Gespräch zwischen dem Theologen Thomas Wallimann-Sasaki und Imam Sakib Halilovic berichtet Vera Rüttimann auf kath.ch.

 

 

Was ist Populismus?

Der Artikel erschien original in englischer Sprache im Dezember 2016 im amerikanischen Economist – kurz vor dem Amtsantritt von Donald Trump als amerikanischer Präsident.

 

Zusammenfassung

Populisten können alles sein: Vom Militaristen bis zur Libertären. Was bedeutet der Begriff?

 

Populismus ist ein unklarer Begriff. In den 1950er Jahren beschrieb man damit den Faschismus, Kommunismus, die antikommunistische Bewegung in den USA (McCarthyismus) oder die Peronisten Argentiniens. Wissenschaftler verbinden den Begriff mit der Frustration der Bevölkerung beim Verlust von Status oder Wohlfahrt. Er hängt aber auch mit nationaler Nostalgie oder der politischen Strategie einer charismatischen politischen Führungsperson zusammen, die die Massen bewegen kann. Der Politikwissenschaftler Cas Mudde von der George Universität in Atlanta bezeichnet Populismus darum als „dünne Ideologie“. Ihr Ziel ist es lediglich einen Rahmen von einem „wir gegen die andern“ oder einem „reinen Volk gegen eine korrupte Elite“ zu schaffen. Klar hingegen sind für Mudde die Folgen: Populismus schafft ein Klima und Verhältnisse, in denen das Volk immer Recht hat. Dies wirkt zerstörerisch auf zwei Kernelemente liberaler Demokratie: das Recht von Minderheiten und die fundamentale Rolle der Gesetze.

 

Im theologischen Online-Feuilleton feinschwarz, das Themen der Zeit aus theologischer Perspektive analysiert, geht Andrea Keller der Rolle der Sozialethik angesichts von Populismus nach. Sie fragt, ob es sich lohnt, oder ob es gar geboten ist, so genannte „populistische“ Themen aufzugreifen und sozialethisch Stellung zu beziehen. Andrea Keller nennt Gründe, warum die christliche Sozialethik ihre Stimme erheben muss. Und wie wichtig es ist, dass Menschen erfahren, dass sie etwas bewirken können.  Gedanken von Andrea Keller am 15. Juni 2017 auf feinschwarz.net.

 

 

 

 

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