Menschen und Machinen

Franziska Lang - Schmid, Präsidentin der Schweizerischen Konferenz Höhere Fachschulen

Referat "Fazination und Furcht"

 

 

 

Digitalisierung und wir Menschen

 

Wie sollen wir die Beziehung zwischen Menschen und Maschinen in einer digitalen Welt gestalten?

 

Am 13. Januar 2018 fand in Goldau unsere Tagung zum Thema Digitalisierung statt. Rund 66 Teilnehmende und Referierende diskutierten diese Frage.

 

 

Maschinen als Knechte?

 

Die Digitalisierung kann unseren Unternehmen Stärken zurückbringen. Dies ist das Fazit von Arno Inauen, Geschäftsführer der Garaventa AG. Er berichtet in einer Gesprächsrunde, die von Norbert Bischofberger, Sternstunde Schweizer Fernsehen, moderiert wurde, wie dank der Automatisierung Teile der Produktion und damit verbundene Arbeitsplätze, die einst ins Ausland verlagert wurden, wieder in die Schweiz zurückgeholt werden konnten. Michael Döring, Chief Nursing Officer des Luzerner Kantonsspitals, sieht die Vorteile der Digitalisierung für das Spital vom Übersetzungsroboter bis hin zu rein digitaler Aktenführung. Dabei können Unmengen an Arbeit gespart werden. Gäste der Stanserhornbahn müssten dank digitaler Anmeldung, erklärt Fabienne Müller, Marketingleiterin der StanserhornbahnUnd auch für Dolfi Müller, Stadtpräsident von Zug, liegt etwa in den digitalen Währungen wie auch Identitätskarten eine Zukunft, die für die Verwaltung und die politische Teilnahme von Vorteil sind, weil sie Abläufe vereinfachen.

 

In einem „normalen“ Notebook befindet sich heute

häufig ein Intel i7 Prozessor. Dieser kann in einer Sekunde

50 Milliarden Operationen (einfache Rechnungen)

verarbeiten. Kosten: ca. 300.-

 

Hansjörg Diethelm, Informatikprofessor an der Hochschule Luzern, zeigte in seinem Referat eindrücklich, wie „einfach“ ein Algorithmus ist und wie mächtig die Digitalisierung wird, weil es heute technisch möglich ist, Milliarden von Rechenoperationen in einem Bruchteil einer Sekunde zu erledigen. Darauf – so seine Ausführungen - basieren die immensen Möglichkeiten der modernen Informationstechnologie. Sie verbindet die Menschen weltweit, gibt ihnen jederzeit und überall Zugang zu beliebigen Informationen und bringt so Bildung und Wohlstand.

 

Würde man die Information auf Papier ausdrucken,

die auf einer Festplatte mit einer Speicherkapazität

von einem Terabyte Platz haben, bräuchte man dazu

2000 Tonnen A4-Papier.

 

 

Maschine als Mensch?

 

Die schiere Menge an Informationen und die unglaubliche Geschwindigkeit, mit der diese verarbeitet werden kann, sind für die menschliche Vorstellungskraft kaum fassbar. Diese wahnsinnigen Kapazitäten vermitteln das Gefühl, dass diese Maschinen wirklich alles können. Doch auf die Frage, ob Maschinen auch menschliche Eigenschaften wie Neugier oder Kreativität annehmen können, antwortete Hansjörg Diethelm mit einem eindeutigen «Nein». Maschinen können nur Informationen verarbeiten, die man eingibt und letztendlich ist das technologische Resultat bloss das Ergebnis von Milliarden von Antworten auf ebenso viele «Ja»- und «Nein»-Fragen.

 

 

Schattenseiten?

 

Selbst wenn wir nicht befürchten müssen, dass Roboter in die Rolle von Menschen schlüpfen, bringt die Digitalisierung auch Schattenseiten mit sich. Dolfi Müller ist Stadtpräsident der Stadt Zug, welche mit dem Entscheid bei der Gemeinde bei kleineren Gebühren Zahlungen in Form von Bitcoins zu akzeptieren, international für Schlagzeilen sorgte. Er weist darauf hin, dass die Digitalisierung dezentraler sein muss. Nur so kann die grosse Macht, die in den Händen einiger weniger grosser Technikkonzerne liegt, gebrochen werden. Franziska Lang-Schmid, Präsidentin der Schweizerischen Konferenz Höhere Fachschulen, verwies in ihrem Referat auf das Suchtpotenzial von digitalen Medien. Sie warnte vor der Gefahr, dass wir immer mehr nach den Regeln der Technologie leben, statt umgekehrt. Dennoch schätzen viele Menschen nach wie vor den Ausbruch aus dem digitalen Alltag in die Stille der Berge, wie Fabienne Müller, Marketingleiterin der Stanserhornbahn, berichtet. Aber auch wenn Menschen die Bergluft suchen, bedeutet dies noch nicht, dass sie Ruhe und Stille aushalten, dem Unbewussten oder ihrer Seele Platz geben können. Es ist also – darin waren sich alle einig – wichtig, dass Menschen diese Fähigkeiten weiterhin pflegen und bewahren können.

 

 

Grenzen setzen – Mensch bleiben!

 

Die Frauen und Männer im Publikum schätzten die vielfältigen Erleichterungen, die ihnen die digitalen Technologien im Alltag bieten. Ganz besonders erwähnten sie den einfachen und allgegenwärtigen Zugang zu Bildung und zur Pflege von Kontakten. Doch sie äusserten auch Unbehagen. So fürchten sie, dass die Digitalisierung den Wertezerfall in unserer Gesellschaft beschleunigen könne und dass jene Bevölkerungsteile, welche nicht mithalten können, vollends ausgegrenzt werden. Ebenso brachten viele das Risiko zur Sprache, was denn bei einem (längeren) Stromausfall geschehen könne. Eine engagierte Stimme aus dem Publikum brachte im Zusammenhang mit dem massiven Verlust an Arbeitsplätzen durch Automatisierung das Thema des bedingungslosen Grundeinkommens ein. Damit wurde angetönt, dass die Digitalisierung von uns auch neue Formen des gesellschaftlichen Ausgleichs und der Organisation von Arbeit fordert. Automatisierung kann zwar den Menschen die Arbeit nicht wegnehmen, sie gibt ihnen aber Freiraum für Tätigkeiten wie ehrenamtliche Arbeit, Kunst und Kultur. Wir sind darum herausgefordert unser Verständnis von Arbeit, Entlöhnung, Leistung und gesellschaftlichem Zusammenhalt neu zu bedenken.

 

 

Weitere Diskussion nötig! 

 

Zum Schluss der Tagung bleiben die Herausforderungen. Wo müssen wir Grenzen setzen? So ethische Begleitung erinnerte der Sozialethiker Thomas Wallimann-Sasaki, Leiter von «ethik22», daran, dass «Der Sabbat ist für den Menschen da ist, nicht der Mensch für den Sabbat»; darum soll Technologie dem Menschen dienen soll und nicht der Mensch der Technologie. Wie die Menschen im Gefolge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert soziale Reformen in Gang brachten, kann uns hier als Vorbild dienen.  Hier sind die Politik sowie auch engagierte Mitbürgerinnen gefragt.

 

Diesen Fragen wird sich die kommende Ausgabe von «ethik22 – das Magazin» widmen und so die Diskussion zu „Digitalisierung und Menschen“ weiterführen.

 

 

 

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